Der Umsonstladen „Ümmesüss“ in Bad Nenndorf ist eine Erfolgsgeschichte. Das ehrenamtliche Projekt erfährt ungebremsten Zuspruch. Doch eigentlich ist dieser Erfolg gar kein Grund zur Freude.
Bad Nenndorf. Es ist fast 20 Jahre her, dass der Umsonstladen „Ümmesüss“ in Bad Nenndorf gegründet wurde. Das Angebot stieß von Anfang an auf viel Zuspruch. Das ist bis heute so geblieben - eine Erfolgsgeschichte, die aber zeigt: Es gibt in Nenndorf viele Bedürftige. Darüber hinaus gibt es auch im Laden immer mal wieder Ärger. Dennoch macht den Beteiligten die Arbeit Spaß.
Initiiert worden war das Projekt von der früheren Ratsfrau Rosemarie Börner. Bereits kurz nach der Gründung sorgte „Ümmesüss“ für negative Schlagzeilen. Ein Anwohner des damals noch in der Fußgängerzone angesiedelten Geschäftes störte sich an der Kundschaft. Das Wort „Lumpenproletariat“ fiel. Der Mann entschuldigte sich später. Doch die Mitarbeiter des Umsonstladens machten aus der Not eine Tugend. Um den Zwist abzustellen, wurde der Umzug an die heutige Adresse Hauptstraße 17a in die Wege geleitet. Die Adresse ist etwas abgelegen - und das kommt auch den Kunden entgegen, die sich dort weniger „auf dem Präsentierteller“ fühlen.
Preise zwischen einem und vier Euro
Dem Zuspruch tat dies keinen Abbruch. Eher im Gegenteil: Es kamen in den vergangenen Jahren eher stetig mehr Kunden, wie der stellvertretende Vorsitzende des Umsonstladenvereins, Peter Mientus, betont. Daran änderte auch die Eröffnung des Sozialkaufhauses „Fundus für alle“ in Rodenberg nichts. „Das ist mehr wie eine Boutique aufgebaut“, erklärt Vorsitzende Rosemarie Schirmer. Bei „Ümmesüss“ würden die Preise bewusst niedrig gehalten.
In der Regel liegen sie pro Artikel bei ein bis vier Euro. Nur wenn etwas wirklich Hochwertiges angeliefert wird, eine gute Lederjacke etwa, dann setzen die Mitarbeiter die Preise höher an. „Wir wollen nicht, dass die Sachen im Internet weiterverkauft werden“, sagt Peter Mientus. Dass dies ab und zu vorkommt, ist dem Vorstand klar. Auch auf dem Flohmarkt wird Ware aus dem Umsonstladen weiterverkauft.
Besonders gefragt sind Kleidung und Schuhe. Außerdem Dekorationsartikel, Spielzeug, Elektrogeräte wie Mixer und Toaster sowie Geschirr. 16 Mitarbeiter kümmern sich zu wechselnden Zeiten montags und donnerstags um den Verkauf. Morgens bilden sich oft lange Schlangen.
„Man schließt auf und denkt, da ist gerade ein Bus angekommen“, so Rosemarie Schirmer.
Der Erlös abzüglich der Fixkosten wird gespendet. In den 20 Jahren summierten sich schon mehr als 100.000 Euro. Aus ganz Schaumburg bringen Menschen Waren zum Umsonstladen. Wer nicht selbst fahren kann, den besuchen die Mitarbeiter, um Sachen abzuholen. Gerade erst standen solche Touren nach Pollhagen und Lauenau an. Auch Wohnungen in Seniorenheimen werden - bis auf Möbel, für die im Laden kein Platz ist - auf Wunsch ausgeräumt, nachdem die Bewohner gestorben sind.
Sogar Ex-Ärzte unter den Kunden
Die Klientel ist bunt gemischt. Die Kunden müssen schließlich nicht nachweisen, dass sie bedürftig sind. Bei den meisten trifft dies auch zu, da sind sich Schirmer und Mientus sicher. Aber es komme auch die Mittelschicht. Sogar ehemalige Ärzte kaufen bei „Ümmesüss“ ein. Und eben Flohmarkthändler auf der Suche nach Schnäppchen.
Unangenehm ist für die Mitarbeiter, dass trotz der niedrigen Preise gestohlen wird. Und zwar häufig. „Wir finden immer wieder leere Boxen“, so Schirmer. Früher wurde in der Umkleidekabine viel geklaut, weshalb sie abgebaut wurde. Verhindern lasse sich Diebstahl nicht. Schirmer: „Wir können unsere Augen nicht überall haben.“
Vor zwanzig Jahren wurde er gegründet: Der Umsonstladen „ümmesüss“ in Bad Nenndorf, in der Trägerschaft des gleichnamigen Vereins. Ein Grund zum Feiern, meinen die Vereinsmitglieder sicherlich zu Recht, denn der Verein war zur Gründungszeit mit seinen Zielen vielen um Längen voraus: der Förderung der Nachhaltigkeit und der Unterstützung von Menschen mit geringem Einkommen.
„Wenn ich zum Öffnen komme, dann bilden die Kunden oftmals schon eine lange Warteschlange vor der Ladentür in der Hauptstraße 17a“, schildert die Vorsitzende Rosemarie Schirmer. Sie hat den Vorsitz von Rosemarie Börner, der Gründerin des Umsonstladen, vor fünf Jahren übernommen, nachdem sie schon eine längere zu den 16 ehrenamtlichen Mitarbeitenden gehörte.
„Einige Kunden kommen wöchentlich und es werden immer mehr. Zu den Stammkunden gehören auch zwei Ärzte, die sich über so manches Stück sehr freuen, was es sonst nicht so einfach geben würde.“
Der Laden steht allen Interessenten offen, auch wenn die Unterstützung Bedürftiger dem Verein besonders am Herzen liegt. Rosemarie Schirmer wünschte sich ein größeres Ladenlokal, da nicht nur viele Artikel gespendet werden, sondern um alles noch übersichtlicher und kundenfreundlicher gestalten zu können.
Rosemarie Börner gehörte zur Gründungszeit
zum Aktionskreis „Lokale Agenda 21“ in Bad Nenndorf und ergriff die Initiative, um einen derartigen Laden zu schaffen. In diesem sollte zum einen die Ehrenamtlichkeit und zum anderen die Verwertung von noch gut erhaltenen Dingen sowie Kleidung an erster Stelle stehen. Kurz darauf wurde der Trägerverein Umsonstladen e.V. Bad Nenndorf gegründet.
Die Miete des Ladens wird mit den kleinen Einnahmen finanziert, so Rosemarie Schirmer, die auch Vorsitzende des Vereins ist. „Auch wenn der Name des Ladens umsonst verkündet, mindestens einen Euro nehmen wir pro Teil – was in der heutigen Zeit einem Umsonst gleichgesetzt werden kann“, meint sie.
Was neben den Miet-, Heiz-, Strom-, Wasser- und Containerkosten von den Einnahmen noch übrigbleibt, wird vom Verein an andere wohltätige Vereine oder Einrichtungen, wie dem Kinderschutzbund, Kindergärten, Bad Nenndorf ist bunt e.V. und anderen mehr gespendet. „Man kann uns hierfür gerne auch Vorschläge machen“, betont Rosemarie Schirmer und freut sich über die Möglichkeit, mit den Einnahmen weiterhelfen zu können: „In den zurückliegenden zwanzig Jahren haben wir 100.000 Euro auf diese Weise spenden können.“
Der 8. Mai, der eigentliche Gründungstag, wird mit den aktiven Ehrenamtlichen in besonderer Weise gefeiert. Für die Kunden und neuen Interessenten finden am Donnerstag, 7. Mai, von 10 bis 18 Uhr und am Montag,11. Mai, von 9 bis 18 Uhr, Jubiläumsfeste am Laden statt, zu denen der Verein herzlich einlädt.
„An diesen Tagen gibt es auch eine Rabattaktion: drei Teile kaufen, zwei bezahlen sowie Kaffee, Kaltgetränke und Snacks. Vielleicht schaut dann auch jemand von der Stadt oder Kommunalpolitik vorbei, die uns sonst nicht zur Kenntnis nehmen“, sagt die Vorsitzende.
Der Verein sucht Nachwuchs und tatkräftige Unterstützung
Der Umsonstladen „ümmesüss“(Plattdeutsch für „umsonst“) im Herzen der Fußgängerzone des Staatsbades kann durchweg auf erfolgreiche siebzehn Jahre seit seiner Gründung ver-
weisen.In all den Jahren konnte vielen Menschen mit den gespendeten und gebrauchten sowie äußerst günstigen Produkten direkt geholfen werden. Darüber hinaus ermöglichte der Verkauf einen finanziellen Gewinn, der zusätzliche Unterstützungen von Personen und Einrichtungen, über Geld- beziehungsweise Sachspenden, ermöglichte. Im Rahmen einer „Bürgerdialog-Ehrenamt“ Veranstaltungsreihe, zu der Bürgermeisterin Marlies Matthias eingeladen hatte, offenbarten sich aber nicht nur die besonders erfreulichen Erfolge, sondern auch bisher in der Öffentlichkeit nicht bekannte Probleme, denen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Trägervereins „Umsonstladen e.V. Bad Nenndorf“ während der Öffnungszeiten des Ladens ausgesetzt sehen. „Immer wieder kommen Kunden in den Laden und reagieren zum Teil empört bis boshaft, wenn wir einen Euro für ein Produkt kassieren möchten“, erklärt die Vorsitzende Rosemarie Schirmer. Nicht selten würden sich Kunden in Drohgebärden ihnen gegenüber postieren. Sie räumt ein, dass der Geschäftsname falsche Erwartungen suggerieren könnte, „Aber bei unseren äußerst geringen Preisen bleibt das erlebte Verhalten der Kunden unverständlich“. Trotz der niedrigen Preise sind Diebstähle an der Tagesordnung. Und: „Der Eingangsbereich wird oftmals zur Müllentsorgung von Privatpersonen genutzt“, beklagt Rosemarie Schirmer.
Alle dreizehn Verkäuferinnen und Verkäufer seien ehrenamtlich tätig, aber für den Laden müssten Miete, Strom und weitere Abgaben gezahlt werden, für welche die Einnahmen benötigt werden, betont die Vorsitzende. Ganz abgesehen davon, dass der Verein mit der Einrichtung gleichzeitig auch dem Wegwerfgedanken entgegenwirken möchte. Daher lädt der Laden auch weiterhin dazu ein, geeignete Dinge, die zum Wegwerfen zu schade sind, sauber und gebrauchsfertig abzugeben. Zum Beispiel Kleidung für Erwachsene und Kinder, Kinderspielzeug, Kinderbücher, Bett- und Tischwäsche, Handtücher, Geschirr und Besteck, Stoffe und Gardinen, Dekoartikel, Lampen, Kleinmöbel. Kunden gebe es viele. „Auch durch die Zunahme an Flüchtlingen in dieser Stadt“, erklärt Rosemarie Schirmer. „Ein möglicher finanzieller Überschuss wird ohne Abzug an soziale Einrichtungen, Projekte und Vereine weitergegeben. So sieht es die Vereinssatzung vor. Wir konnten in all den Jahren des Bestehens rund 80.000 Euro spenden.“
Interessenten
für Spenden oder eine Mitarbeit im Verein
mögen sich unter der Rufnummer 017651738331
an Rosemarie Schirmer wenden.
Der „fast Umsonstladen“, Hauptstraße 17A (hinten liegend), ist geöffnet:
Montag von 10 bis 13 Uhr, Donnerstag von 10 bis 18 Uhr,
sowie an verkaufsoffenen Sonntagen von 13 bis 18 Uhr.
Weitere Informationen gibt es in allen Sprachen unter www.umsonstladen-uemmesuess.de.